Elephas falconeri

gr. elephas =Elefant; falconeri = nach dem schottischen paläontologen Hugh Falconer

Ernährung: Pflanzenfresser
Erdzeitalter: Pleistozän
Zeitraum des Vorkommens: 800.000 bis 100.000 Jahre
Ort der Funde: Sizillien und Malta
Höhe: 0,9m


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Galerie Neustädter Tor



Der sizilianische Zwergelefant entwickelte sich während der letzten großen Vereisung aus dem europäischen Waldelefanten. Zu dieser Zeit waren Elefanten in Europa noch weit verbreitet und wurden mit über viereinhalb Metern auch sehr groß. Während der Eiszeit war das Mittelmeer so trocken, dass es Landbrücken zu den dortigen Inseln wie Kreta, Zypern, Malta und Sizilien gab. Als das Mittelmeer sich wieder mit Wasser füllte, blieben die eingewanderten Elefanten auf den Inseln. Da sich dort keine größeren Raubtiere befanden, konnten sie in Ruhe leben. Nach und nach kam es zu einem Phänomen, das man Inselverzwergung nennt: Wenn große Tiere auf Inseln mit einem beschränkten Angebot an Nahrung und ohne Bedrohung durch Fressfeinde leben, dann werden sie über Generationen hinweg immer kleiner. Diese Entwicklung kennt man auch von Dinosauriern wie dem Europasaurus und von Flusspferden, die ebenfalls auf Mittelmeerinseln lebten.

Die sizilianischen Zwergelefanten wiesen letztlich eine Schulterhöhe von nur 90 Zentimetern aus. In ihrem restlichen Erscheinungsbild glichen sie jedoch ihren größeren Verwandten vom Festland, sodass man von einem ähnlichen Leben ausgehen kann. Vermutlich zogen sie in kleinen Gruppen über die Inseln und ernährten sich von den Blättern von Büschen und niedrigen Pflanzen. Ihre Überreste wurden auf beinahe allen Inseln des Mittelmeers gefunden. Auf der Insel Tilos fand man Skelette, die darauf hinweisen, dass die Elefanten noch bis etwa 2400 vor Christus dort gelebt haben könnten. Für ihr Aussterben war wohl das Auftreten des Menschen auf der Insel verantwortlich: Die Zwergelefanten stellten eine leichte Jagdbeute dar und konnten sich nicht schnell genug vermehren, um die Verluste auszugleichen.

Elefantenschädel weisen in ihrer Mitte ein Loch auf, welches den Ansatz des Rüssels darstellt. Die gefundenen Schädel von Zwergelefanten könnten demnach für die altgriechischen Sagen und Legenden über die Zyklopen, riesige, einäugige Kreaturen mit Appetit auf Menschenfleisch, verantwortlich sein. Die heute noch lebenden, nächsten Verwandten des Zwergelefanten sind nicht die afrikanischen, sondern die indischen Elefanten.


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